Biographie Alberto Giacometti

Ablerto Giacometti (Borgonovo 1901 - 1966 Chur)

Geboren 1901 in Borgonovo ob Stampa, erlebte er seine Kindheit im Nachbardorf Stampa, fernab der grossen Städte und Kunstmetropolen im bündnerischen Bergell. Sein Vater, der berühmte Kunstmaler Giovanni Giacometti, erkannte schon früh sein Talent und förderte ihn bereits in seiner Jugend. So war Cuno Amiet sein Taufpate, sogar Ferdinand Hodler war mit der Familie befreundet – er war der Pate seines Bruders Bruno Giacometti.

Die Familie Giovanni Giacomettis lebte in guten finanziellen Verhältnissen. Giovannis Vater war zuerst als Zuckerbäcker tätig, wanderte dann nach Warschau aus, leitete in Bergamo ein Kaffeehaus und kam als vermögender Mann nach Stampa zurück, wo er ein schönes Patrizierhaus erwarb.

1915 – 1919 besucht Alberto das Internat in Schiers, wo er sich mit Lucas Lichtenhan anfreundete. Dieser war später Leiter der Kunsthalle Basel und führte die erste öffentliche Ausstellung von Alberto Giacometti nach dem Kriege durch.

1920 - 21 folgten Aufenthalte in Italien. Er studierte die Arbeiten von Tintoretto in Venedig, war dann noch mehr begeistert vom Werk Giottos in Padua und kam schließlich nach Rom, wo er für neun Monate blieb und mit intensiven Studien beschäftigt war, u.a. auch der griechischen Antike.

1922 zieht er nach Paris, studiert beim Bildhauer Bourdelle an der „Grande-Chaumière“ und bezieht 1925 ein Atelier, zusammen mit seinem Bruder Diego, der sein engster Mitarbeiter wird. Die enge Verbindung zu seiner Familie lassen ihn regelmäßig nach Stampa zurückkehren, wo er sich im Kreise seiner Angehörigen wohl fühlt und im Atelier seines Vaters arbeitet. In Paris stellen sich seine ersten Erfolge ein.

Carl Einstein schreibt in einer Kritik zu einer Ausstellung in der Galerie Georges Bernheim „...Wir haben aber genug von diesen positiven Venusdamen, Beispielen eines falsch verstandenen Klassizismus, den man heute nur noch in Provinzpensionaten für junge Mädchen lehrt. Genug von den orthopädischen Torsi, die den zerbrochenen Reliquien der Spätantike Konkurrenz machen. Man ist nicht modern, wenn man hier einen Winkel ausspart und dort einen vergrössert. (...) Wir erwähnen mit Sympathie Lipschitz, Laurens, Brancusi und Giacometti.» Und in der dritten Auflage seiner Kunstgeschichte führt er aus: «Giacometti, der italienische Schweizer, löst sich vielleicht am weitesten von aller Befangenheit ererbter Vorstellungsmassen. Zuerst gab er statisch beruhigte Gestalten, mondhafte Gesichter, ruhig gelagerte Formen. Dann beginnt er die Bewegung in seine Arbeit einzuführen, so dass er nun Plastiken mit labilen Gestaltelementen erarbeitet; entschlossen wendet er sich dem Erfinden neuer Objekte zu.»

Alberto Giacometti ist mit vielen Künstlern, Schriftstellern und Philosophen befreundet. Trotzdem ist sein Leben hart, grosse Verkäufe bleiben aus. Kunsthandwerkliche Arbeiten sowie Ausstattungsarbeiten für Man Ray ermöglichen den Brüdern den Lebensunterhalt in dieser Zeit.

1933 starb sein Vater. Dieses schmerzliche Ereignis veränderte sein Denken. Er entfernte sich von den Surrealisten und begann wieder figürlich zu modellieren.
1938 wurde er nachts durch ein Auto auf einem Trottoir angefahren. Er wurde am Fuss verletzt, ein Gehfehler war die Folge. Dieser Unfall wirkte sich in der Folge auch auf seine Arbeiten aus.
Er knüpfte neue Freundschaften, z.B. zu Balthus, Derain, Gruber und Tal Coat. Um 1940 begann die Freundschaft zu Sartre und Simone de Beauvoir.

1942 lernt er Annette Arn kennen und heiratet sie später in Genf. Er kehrt 1945 nach Paris zurück. Finanziell geht es ihm nun besser, sie kaufen sich eine schöne Wohnung. Dort hält er sich allerdings nur wenig auf, er verbringt den grossen Teil seiner Zeit in seinem Atelier.
1948 stellt er in der Galerie Matisse in New York mit grossem Erfolg sein bisheriges Lebenswerk aus. Georg Schmidt kauft für die Emanuel-Hoffmann-Stiftung im Kunstmuseum Basel die ersten Werke an. Mit unglaublicher künstlerischer Energie arbeitete er nun an seinen Werken, beschäftigte sich mit Details immer wieder bis zur Perfektion, bis er sein Ziel erreicht hatte.

1948 werden seine Werke in grossen Ausstellungen in New York und Amsterdam gezeigt, 1950 in Bern und Basel und in den folgenden Jahren in Paris (Maeght), im Museum of Modern Art in New York, 1955 folgt eine grosse Retrospektive im Guggenheim Museum und im Art’s Council in London. Viele Ehrungen und Preise folgten, u.a. der Grosse Kunstpreis der Stadt Paris und der Ehrendoktortitel der Universität Bern.

Im Januar 1966 stirbt Alberto Giacometti im Krankenhaus von Chur und wird in Stampa beigesetzt.

Sein Werk ist weltweit in den bedeutendsten Sammlungen vertreten.