Biographie Carl Roesch

Carl Roesch (1884 - 1979)

Carl Roesch wurde am 9. Mai 1884 im deutschen Dorf Gailingen in unmittelbarer Grenznähe zur Schweiz geboren.

Er wuchs in Obhut seiner Grossmutter in Diessenhofen auf. Schon als Jugendlicher widmete sich Carl Roesch mit Begeisterung dem Zeichnen. Die Ausbildung zum Zeichnungslehrer – seinem Traumberuf – blieb ihm allerdings aus Kostengründen verwehrt. Er begann Lehren zum Schreiner und Schlosser, die er allerdings aufgrund gesundheitlicher Probleme bald aufgeben musste. Stattdessen widmete er sich der Lehre des Maschinenzeichnens am Winterthurer Technikum.

Ein weiterer Ausbildungswechsel in die Kunstgewerbeabteilung des Technikums erfolgte. Dort erhielt Carl Roesch eine traditionelle Kunstausbildung, deren Schwerpunkt auf der Vermittlung historischer Stilmerkmale lag. Nach fünf Semestern in Winterthur zog es ihn für ein weiteres Semester an die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. Da Carl Roesch beabsichtigte eine Laufbahn als Grafiker einzuschlagen, erfolgte 1904 der Umzug nach München um die Heinrich Wolff-Privatschule für Grafische Künste zu besuchen.

Nachdem Carl Roesch nach Diessenhofen zurückgekehrt war, verdiente er sich seinen Lebensunterhalt durch das Ausführen grafischer Auftragsarbeiten. Da ihm viele Aufträge angetragen wurden, gelang es ihm, sich als „Kunstgewerbler“ zu etablieren. Gleichzeitig nahm er an Wettbewerben und Ausstellungen teil, erste positive Erwähnungen seines künstlerischen Schaffens standen in der Presse. Im Alter von 22 Jahren erlebte Carl Roesch seine erste Einzelausstellung in der Winterthurer Kunsthalle.

Im Jahr 1910 lernte Carl Roesch Margrit Tanner kennen. Nur ein Jahr später heiratete er die Tochter des St. Galler Stickerei-Fabrikanten August Tanner und liess sich gemeinsam mit ihr in Diessenhofen nieder. Margrit und Carl Roesch war es vergönnt, bis ins hohe Alter eine glückliche und erfüllte Ehe zu führen. Ganz bewusst entschied sich Carl Roesch dafür, in Diessenhofen zu wohnen und zu arbeiten. Allerdings unternahm er immer wieder Reisen nach Italien und Frankreich – insbesondere nach Paris – die ihm neue Eindrücke, den Besuch von Ausstellungen und den Kontakt zu Künstlerkollegen ermöglichten. Besonders von Arbeiten des Künstlers Paul Cézanne zeigt er sich zeitlebens begeistert und inspiriert.

Die Gründung des Schweizerischen Werkbunds - einer Organisation deren Ziel es ist, Kunst und Handwerk zu vereinen – entsprach eigentlich ganz den Idealvorstellungen von Carl Roesch. Trotzdem entschied sich Roesch 1917 zum Verzicht auf weitere Aufträge aus der Grafik. Die freie künstlerische Tätigkeit reizte ihn weit stärker. Ein wichtiges Motiv in den Arbeiten von Carl Roesch stellten stets Figurenkompositionen dar - im Raum oder in Bewegung. Auch der Wiedergabe von Landschaften widmete er sich. Während Roesch sich in jungen Jahren mit abstrakter Malerei noch schwer tat und stets der Gegenständlichkeit treu blieb, setzte er sich im Alter zunehmend mit ihr auseinander. Auch der Farbigkeit wendete sich Carl Roesch erst im fortgeschrittenen Alter zu. Im Jahr 1923 begann er mit Mosaiksteinen zu arbeiten. Neben der Malerei wurden sie zu seinem wichtigsten Ausdrucksmittel.

Carl Roesch gewann zahlreiche Wettbewerbe zur Gestaltung von Kirchenfenstern oder Wandbemalungen. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Rekonstruktion der Fresken von Tobias Stimmer am Haus zum Ritter in Schaffhausen. Die Ausführung dieses Auftrags brachte ihm viel Renommee ein und liess ihn zum Kreis der wichtigen und beachteten Künstlerpersönlichkeiten der Schweiz hinzustossen. Trotz dieses Erfolgs litt Carl Roesch darunter, dass er vor allem für seine Fresco- und Mosaikarbeiten Anerkennung fand, seine Malerei – die ihm besonders am Herzen lag - dahinter aber mitunter zu vergessen drohte.

Da Diessenhofen unmittelbar an der Grenze zu Deutschland liegt, erfuhr Carl Roesch die Unannehmlichkeiten, welche der Zweite Weltkrieg auch für die Schweizer Bevölkerung mit sich brachte, besonders intensiv. Nicht nur psychisch belastete ihn die Situation, auch in der Ausübung seiner künstlerischen Tätigkeit wurde er stark eingeschränkt. Zusammen mit seiner Frau entzog er sich der Situation durch Aufenthalte im Tessin oder bei Freunden in Zürich – wohin er vorsorglich auch seine Sammlung bedeutender Kunstwerke mitnahm.

Im Jahr 1945 erleidet Carl Roesch eine Augenerkrankung, die er nie mehr vollständig auskurieren konnte und die schliesslich – im Jahr 1960 – zum Verlust seines rechten Augenlichts führte.

Neben Adolf Dietrich ist Carl Roesch sicher der bekannteste Maler und Zeichner aus dem Thurgau. Er war mit den bedeutendsten Schweizer Malern seiner Zeit befreundet, so etwa mit Cuno Amiet, Max Gubler oder mit Ernst Morgenthaler.

Man kennt ihn heute vor allem durch seine eindrücklichen Sujets, wie den Frauen bei der Feldarbeit. Diese Werke haben eine ursprüngliche Tiefe. Sie muten durch die eigenwillige Bildkomposition modern, ja sogar zeitlos an. Dargestellt ist immer nur das absolut wesentliche der Aussage.

Das Alter des Künstlers war geprägt von erfolgreichen Einzelausstellungen und Retrospektiven. Bedeutende Sammler traten mit Kaufinteressen an ihn heran. Mit zunehmenden gesundheitlichen Beschwerden fiel ihm das Arbeiten immer schwerer, die Leidenschaft und den Willen Kunst zu produzieren verliess ihn jedoch nie.

Carl Roesch – der fast sein ganzes Leben lang Tagebuch schrieb – starb am 27. November 1979 in Diessenhofen.