Biographie Carl Walter Liner

Carl Walter Liner (1914 - 1997)

Carl Walter Liner wurde am 17. August 1914 als Sohn des bekannten Kunstmalers Carl August Liner geboren. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend im Appenzellerland. Nach dem Besuch der Realschule begann er eine Grafikerlehre in Aarau, die er allerdings nach nur kurzer Zeit wieder aufgab.

Stattdessen erteilte ihm sein Vater Kunstunterricht. In diesen Lehrjahren entstanden vornehmlich Zeichnungen und Pastelle. Die Liebe zur Ölmalerei entdeckte Carl Walter Liner während eines halbjährigen Aufenthalts in Ägypten im Jahr 1936, beziehungsweise 1937.

Danach führte ihn sein Weg nach Paris, um an der Académie de la Grande Chaumière zu studieren. Die Erfahrungen, welche Carl Walter in zwei Jahren Studienzeit in der französischen Metropole machte, waren für seine spätere Entwicklung als Künstler ungemein wichtig. Während sein Malstil zuvor noch impressionistisch anmutete - der Einfluss des Vaters also noch deutlich erkennbar war - drückte er sich nun zunehmend expressiver aus und begann dunkle, leuchtende Farben zu bevorzugen.

1938 zeigte das Kunstmuseum St. Gallen die erste Ausstellung von Carl Walter Liner. Die vierziger Jahre brachten Veränderungen im Privatleben des Künstlers: 1944 vermählte er sich mit Katharina Rüf, 1946 verstarb sein Vater und nur ein Jahr darauf seine Mutter.

Carl Walter Liner liebte es zeitlebens zu reisen. Es ist also nur konsequent, dass er anstelle eines festen Wohnsitzes mehrere Orte hatte, die er im Verlauf eines Jahres abwechselnd sein „zu Hause“ nannte: Appenzell, Zürich, Paris und später auch immer öfter die Provence, sowie sein geliebtes Korsika gehörten dazu.

Zahlreiche Aufenthalte in der Mittelmeerregion - namentlich in Frankreich, Italien, Spanien und Nordafrika – verdeutlichen zusätzlich, dass Carl Walter Liner mit Leib und Seele Kosmopolit war.

Wichtigste Inspirationsquelle für die Kunst von Carl Walter Liner war stets die Natur. Es war denn auch ein Naturerlebnis, welches den Künstler in den 1950er Jahren zu einer neuen stilistischen Ausdrucksform inspirierte: Die Landschaft Korsikas beeindruckte ihn in ihrer Schroffheit und Intensität dermassen, dass er, um ihr in ihrer Darstellung gerecht zu werden, auf eine gegenständliche Wiedergabe zugunsten einer ungegenständlichen Annäherung verzichtete. Dieses neue Sehen markierte in Carl Walter Liners Künstlerkarriere den Übergang zur informellen Malerei, zum Tachismus - ohne dass er jedoch das gegenständliche Malen je ganz aufgegeben hätte.

Mit seinen abstrakten Kompositionen gehörte Carl Walter Liner zu den Wegbereitern der gestisch-informellen Malerei in der Schweiz. Einem Stil, dem er bis an sein Lebensende treu blieb, wenngleich in seinen späten Werken die expressive Kraft mitunter ins malerische zu kippen drohte.

Carl Walter Liner durfte für sein Werk im In- und Ausland zahlreiche Ehrungen entgegen nehmen. Diese sind sicher auch als Lohn für die beeindruckende Schaffenskraft des Künstlers zu verstehen, der bis ins hohe Alter eine rege Ausstellungstätigkeit unterhielt.

Carl Walter Liner starb am 19. April 1997 in Appenzell.