Biographie Cuno Amiet

Cuno Amiet (Solothurn 1868 - 1961 Oschwand)

Geboren wurde Cuno Amiet  1868 in Solothurn. Sein Vater war Staatsschreiber und Archivar. Für den Wunsch des Knaben Kunstmaler zu werden, konnten sich die Eltern anfänglich nicht begeistern. Aber schon in der Schule zeigte sich das Talent des jungen Mannes. Sein Zeichnungslehrer Heinrich Jenny brachte ihm die ersten Grundlagen der Malerei bei. Den Kunstmaler Walther von Vigier durfte er hin und wieder in seinem Atelier besuchen, wo ihm der zehnjährige Knabe sogar Modell stand.
Als Glücksfall erwies sich, dass der schon damals berühmte Maler Frank Buchser mit dem Vater von Cuno Amiet  befreundet war. Mit Begeisterung reiste der junge Cuno so oft als möglich zu ihm und liess sich vom Meister in die Geheimnisse der hohen Malkunst einführen.

Nach der Matura malte Cuno Amiet oft zusammen mit seinem Lehrer Frank Buchser erstmals in der freien Natur. Bald zog der junge Maler aber nach München, wo er sich an der Kunstakademie weiterbildete. Seine Lehrer waren Caspar Ritter, Gabriel Häckl, Karl Raupp und Nicolaus Gysis. 1887 begegnete Cuno Amiet dem Schweizer Maler Giovanni Giacometti. Die beiden blieben sich lebenslang in enger Freundschaft verbunden. Sie gehörten in München dem Kreis junger Schweizer Maler an, mit Max Buri, Wilhelm Balmer, Emil Dill oder auch Hans Beat Wieland.

Nach der Rekrutenschule in Bellinzona kehrte er nach München zurück. Cuno Amiet und Giovanni Giacometti beschlossen, ihr Studium in Paris fortzusetzen. Dort pflegten sie ab 1888 gute Kontakte zu den Schweizer Malern Hugo Siegwart, Hans Emmenegger wie auch zu Andrea Robbi und anderen. Sie studierten an der Académie Julian, zusammen mit Pierre Bonnard, Edouard Vuillard, Maurice Denis und Paul Sérusier, den Gründern der Künstlervereinigung der Nabis.
Nach Aufenthalten im heimatlichen Solothurn reiste Amiet wieder nach Paris. Der ungarische Maler Hugo Poll riet ihm 1892 zu einer Reise in das Fischerdörfchen Pont-Aven in der Bretagne. Dort blieb er bis Juni 1893. In dieser Zeit kam er mit Werken von Paul Gauguin in Kontakt, der kurze Zeit vorher zu seiner Tahiti-Reise aufgebrochen war. Pont-Aven war ein Zentrum der jungen Kunst, dieser Aufenthalt war für Cuno Amiet wegweisend für sein weiteres Schaffen.  Er fand dort den Zugang zum Werk van Goghs, Cézannes, Seurats wie auch zum Pointilismus und zum Divisionismus.

Weil seine Bilder in der Schweiz nicht verkauft werden konnten, reiste er zurück in seine Heimat. Dort traf er 1893 zum ersten Mal Ferdinand Hodler, den er fortan oft in seinem Atelier besuchte. Seine Freunde aus Basel verhalfen ihm zu einigen Dekorations-Aufträgen, um ihn von seinen materiellen Sorgen etwas zu entlasten. Die Kunsthalle Basel organisierte eine Ausstellung mit seinen Werken. Diese fand aber kein sehr erfreuliches Echo. Einzig der Kunstkritiker Hans Trog schrieb in der Nationalzeitung eine positive Kritik.

Nachdem 1895 sein Vater gestorben war, arbeitete Cuno in seinem Atelier in Hellsau und verbrachte mit seinem Freund Giovanni Giacometti einige Wochen  im Bergell. Dort lernte er Giovanni Segantini kennen.  Die Begegnungen mit Hodler und Segantini beeinflussten Cuno Amiet stark, besonders die symbolistische Malerei von F.H. wie auch der Divisionismus Segantinis.
Im Jahre 1896 lernte er Oscar Miller kennen, den Papierfabrikanten aus Biberist. Dieser kaufte ihm den Wettbewerbs-Entwurf für das Bundesgericht in Lausanne ab, erwarb weitere Bilder und erteilte ihm den Auftrag zu einem Bildnis Ferdinand Hodlers. Hodler schlug Amiet sogar eine Ateliergemeinschaft in Genf vor, was C.A. aber nicht wollte.

Im Jahre 1898 heiratete Cuno Amiet Anna Luder. Das Paar fand auf der Oschwand eine neue Heimat. Zuerst wohnten sie im Gasthof Schöni, später erwarb er zu seinem neuen Wohnhaus noch eine Scheune, die er zu seinem Atelier umbauen liess.
1905 folgte eine Ausstellung mit über 40 Werken im Künstlerhaus Zürich. Von der Galerie Richter wurde diese Ausstellung übernommen und fand auch Aufmerksamkeit bei den Künstlern der „Brücke“. Im Herbst 1906  wurde er von Bleyl, Kirchner, Heckel und Schmidt-Rotluff eingeladen, der Vereinigung „Brücke“ beizutreten. Er war das einzige Mitglied aus der Schweiz in dieser Gruppe. Es folgten internationale Ausstellungen. 1907 stellte er im Rahmen der „Brücke“-Ausstellung in Dresden den Holzschnitt „Giovanni Giacometti, lesend“ aus.
Auch im Kunstmuseum Solothurn stellte die Künstlervereinigung „Brücke“ aus. Josef Müller und seine Schwester Gertrud  begannen, seine Werke zu sammeln. 1911 reiste Giovanni Giacometti, Gertrud Müller und Cuno Amiet nach Rom, wo er an der Internationalen Kunstausstellung teilnahm. In München lernt er Kandinsky, Gabriele Münter, Klee, August Macke sowie Heinrich Campendonk kennen.

„Die Brücke“ löste sich 1913 wegen unterschiedlicher Auffassungen auf.  Zusammen mit Giovanni Giacometti stellte Amiet in der Galerie Hans Goltz in München aus. Auch im übrigen Deutschland durfte er grosse Erfolge erleben.

Nach dem Weltkrieg verlieh ihm die Universität Bern den Ehrendoktortitel. Die Oschwand war nun ein Treffpunkt für viele bedeutende Künstler aus der Schweiz und auch aus dem Ausland. Als einer der ersten Autobesitzer in der Region war er nun freier und mobiler in seinen Unternehmungen.

Durch den Brand im Münchner Glaspalast 1931 fielen in der wichtigen Ausstellung 51 bedeutende Werke von Cuno Amiet aus der Zeit von 1891 bis 1931 dem Feuer zum Opfer.  Der Bundesrat  und das Parlament teilte ihm seine Anteilnahme mit.
„Ich habe keine Mühe gescheut, das zusammen zu bringen, was zu meinem Besten gehört. Es sind von meinen ersten bis zu meinen letzten Bildern diejenigen ausgewählt, die zu den charakteristischsten zählen“ hatte Cuno Amiet kurz vor dieser einmaligen Ausstellung erklärt.
Nach dieser Katastrophe malte er für einige Zeit in der Villa „Monbijou“ des Verlegers Fritz Pochon-Jent („Der Bund“) am Thunersee. Diese Bilder zeugen von innerer Ruhe des Künstlers und zeigen einen frohen Optimismus für die Zukunft.


In seiner über 70-jährigen Schaffenszeit hat Amiet eine grosse Zahl von Gemälden und Aquarellen geschaffen.  Er war auch als Bildhauer tätig, dieser Teil seines Werkes umfasst ca. dreissig Arbeiten.

Cuno Amiet gehört zu den bedeutendsten und vielseitigsten Malern der Schweizer Kunst im 20. Jahrhundert.  
Er verbindet  das wesentliche der deutschen Kunst mit der weicheren Art der französischen Auffassung, wenngleich das Romanische in seinen Arbeiten deutlicher sichtbar ist.

Mit Hodler und Giacometti gehört er zu den Wegbereitern der Schweizer Moderne.
Sein umfangreiches Werk ist geprägt  vom Jugendstil, vom Symbolismus, dann aber auch zunehmend vom Expressionismus.
Das Gesamtwerk dieses grossen Schweizer Künstlers findet zunehmend auch internationale Anerkennung und wird wissenschaftlich aufgearbeitet.