Biographie Erich Heckel

Erich Heckel (1883 - 1970)

Erich Heckel erblickte am 31. Juli 1883 in Döbeln, im deutschen Bundesland Sachsen, das Licht der Welt.
Der Künstler, welcher aus heutiger Sicht zu den bekanntesten Malern und Grafikern des Expressionismus zählt, durchlief keine künstlerische Ausbildung, sondern fand den Weg zur Kunst autodidaktisch. Seinen ursprünglichen Traumberuf, Architekt, gab er im Jahr 1905 auf, um gemeinsam mit seinen Freunden Karl Schmidt-Rotluff, Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner die Künstlergruppe «Die Brücke» in Dresden zu gründen. Eine rege gemeinsame Ausstellungstätigkeit folgte. Im Laufe der Zeit erfuhr die Gruppe verschiedene personelle Neubesetzungen und Abgänge: Ein weiteres, aus heutiger Sicht sehr bekanntes - wenngleich nur temporäres - Mitglied der «Brücke» war Emil Nolde.
Erich Heckel war das „künstlerische Miteinander“ sehr wichtig. Dementsprechend zeigte sich sein Wille, den Zusammenhalt der einzelnen «Brücke»-Mitglied zu sichern und zu festigen: Freiwillig übernahm er alle organisatorischen Aufgaben der Gruppe und galt als deren eigentlicher „Organisator“.

Die Erfahrung ursprünglicher Natur reizte Erich Heckel zeitlebens. Es verwundert daher nicht, dass er sich gemeinsam mit Karl Schmidt-Rotluff an der Nordsee aufhielt. Eine ausgedehnte Reise nach Italien gehört ebenfalls zu Heckels Naturerlebnissen. Zurück in der Stadt Dresden teilte sich Erich Heckel mit Ernst Ludwig Kirchner ein Atelier. Oft entflohen die beiden Künstler jedoch der Urbanität der sächsischen Metropole, um gemeinsam mit Freunden und Modellen den Sommer im Moritzburger Teichgebiet zu verbringen.
Der rege Kontakt der Gruppenmitglieder, der Austausch und die gelebte Gemeinschaft resultierten schliesslich folgerichtig in einem ausgeprägten gemeinsamen künstlerischen Stil der einzelnen «Brücke»-Mitglieder: Man malte flächige, intensiv kolorierte Bildkompositionen.
Im Jahr 1911 zog es Erich Heckel nach Berlin. Die Stadt galt zu der Zeit als das deutsche Zentrum moderner Kunst. In Berlin erfuhr die expressionistische Kunst denn auch ihren endgültigen Durchbruch. Keine andere zeitgenössische Kunstströmung vermochte so viel Aufmerksamkeit zu erregen. Auch wenn die Künstlergruppe «Die Brücke» im Jahr 1913 aufgelöst wurde, so war es für Erich Heckel keinesfalls eine einsame Zeit: Lyonel Feininger, August Macke oder auch Franz Marc sind nur einige Künstler, die in dieser Berliner-Zeit zu seinem Bekanntenkreis hinzu kamen. Eine enge Freundschaft verband Erich Heckel auch Zeit seines Lebens mit dem Förderer expressionistischer Kunst, Walter Kaesbach.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Erich Heckel als Krankenpfleger eingesetzt. Gemeinsam mit anderen Malern leistete er Sanitätsdienst in Flandern. Heckel und die anderen Künstler hatten Glück: Die Ausübung ihrer künstlerischen Tätigkeit wurde aufgrund einer geschickten Diensteinteilung nie gefährdet. In Flandern machte Heckel erneut Bekanntschaft mit Künstlerkollegen: Max Beckmann und James Ensor gehörten dazu. Im Jahr 1916 ehelichte Erich Heckel die Tänzerin Sidi Riha.

Das Reisen, welches für Erich Heckel stets grosse Inspiration darstellte, nahm er nach dem Ersten Weltkrieg wieder auf. Insbesondere Aquarelle entstanden bei solchen Aufenthalten.
Im Jahr 1931 würdigte Chemnitz mit einer Retrospektive das Schaffen des Künstlers. Bald schon kam die Zeit der Nationalsozialisten und mit ihnen das grobe Kunstunverständnis seiner Rädelsführer. Auch Erich Heckel blieb nicht verschont: Im Jahr 1937 erhielt der Künstler Ausstellungsverbot. 700 seiner Gemälde verschwanden von ihren Ausstellungsorten aufgrund ihrer Diffamierung als entartete Kunst. Im Jahre 1944 wurde Erich Heckels Atelier in Berlin gar bei einem Bombenangriff in Mitleidenschaft gezogen, was wiederum zum Verlust zahlreicher seiner Werke führte. Schliesslich fand der Künstler Zuflucht im kleinen Ort Hemmenhofen am Bodensee, dem er in der Folge bis an sein Lebensende treu blieb.

Von 1949 bis 1955 lehrte Erich Heckel an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. 1955 war er zudem Teilnehmer der ersten "documenta" in Kassel. In den darauf folgenden Jahren liebte er es, regelmässig Zeit in der Bergwelt des Oberengadins oder aber an der norddeutschen Küste zu verbringen.
Heckels runde Geburtstage im fortgeschrittenen Alter (70 beziehungsweise 80) boten Anlass, dem Jubilar grosse Retrospektiven seines Werkes auszurichten. Heckel - der am Ende seines Lebens auf eine künstlerische Schaffensperiode von über sechs Jahrzehnten blicken durfte – war es vergönnt, zahlreiche öffentliche Ehrungen entgegennehmen. Kurz vor seinem Tod übergab der Künstler einen Grossteil seines Schaffens an öffentliche Sammlungen. Insbesondere das Brücke-Museum in Berlin wurde berücksichtigt.

Erich Heckel malte viele Figurenbilder, aber auch Landschaften. Er arbeitete mit leuchtenden Farben, die er gerne grosszügig auf den Bildträger auftrug. Erwähnenswert ist Heckels herausragendes Gespür für Druckgrafik. Zu Recht zählen einige seiner Holzschnitte mit zum Stärksten, was der deutsche Expressionismus hervorgebracht hat.

Erich Heckel starb am 27. Januar 1970 in Radolfzell am Bodensee.