Biographie Giovanni Segantini

Giovanni Segantini (1858 - 1899)

Giovanni Segantini wurde am 15. Januar 1858 in der Kleinstadt Arco di Trento, das damals noch zu Österreich gehörte, geboren. Sein Vater, Agosto Segatini (das „n“ fügte Giovanni erst später hinzu) arbeitete in Arco als Schreiner. Giovannis Mutter Margherita war die dritte Ehefrau.

Schon in frühester Jugend spürte Giovanni die Härten des Lebens: Kaum ein halbes Jahr alt, starb sein älterer Bruder. Als er sieben Jahre alt war, starb seine Mutter. Darauf übernahm seine Halbschwester Irene, die Tochter aus erster Ehe, die in Mailand lebte, die Verantwortung für ihn. Es war eine schwere Zeit für den Knaben, sie lebten in armen Verhältnissen und Irene war mit der Aufgabe völlig überfordert. Sie gab die österreichischen Ausweispapiere ab und vergass, im Gegenzug italienische zu beantragen. Damit war Giovanni staatenlos.

Als im Jahre 1866 auch noch sein Vater starb, wurde Giovanni Vollwaise. Er wurde in eine Erziehungsanstalt in Mailand überbracht, wo er Schuster lernen sollte, doch das passte nicht zu ihm.

1873 zog er mit seinem Halbbruder Napoleone nach Borgo, östlich von Trient. Dort konnte er als Malergehilfe arbeiten, was ihm grosse Freude bereitete. Sein Talent erregte Aufsehen, schon bald fanden seine Bilder Anerkennung. Ab 1875 konnte er an der Kunstakademie studieren. Bald fiel er dem bekannten Kunsthändler Alberto Grubicy auf, der von ihm Bilder ankaufte, ihn vertrat und mit ihm zeitlebens befreundet blieb.

Der junge Mann lernte 1879 Luigia Pierina Bugatti kennen, die Schwester von Carlo Bugatti, dem Studienfreund Giovannis und späteren Möbeldesigner und Innenarchitekten. Giovanni nannte sie Bice, sie wurde schon bald seine Lebensgefährtin. Die Heirat war wegen der Staatenlosigkeit des Künstlers nicht möglich.

1881 zogen sie in ein Haus in Pusiano. Dort wurde ihr erstes Kind, Gottardo Segantini geboren. Es folgten einige Wohnortswechsel. Nach zwei weiteren Söhnen kam 1886 noch die Tochter Bianca zur Welt – das jüngste der Kinder Giovanni Segantinis.

Dann zog die Familie 1886 in die Schweiz. In Savognin (Graubünden) mieteten sie ein Haus und stellen die junge Barbara Uffer als Haushalthilfe und Kindermädchen ein.  Sie stand auch Modell und als wieder einmal der Wohnort gewechselt wurde, begleitete sie die Familie 1894 nach Maloja, wo sie im Chalet Kuoni eine neue Heimat fanden.

Für Giovanni Segantini stellten sich nun grosse Erfolge ein: an der Weltausstellung 1889 in Paris wurde sein Gemälde  „Kühe an der Tränke“ bewundert und mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Auch seine Gemälde „Ave Maria bei der Überfahrt“ und „Alla stanga“ erhielten höchste Ehrungen, z.B. an den Weltausstellungen in Amsterdam.

In seiner eigenständigen, divisionistischen Technik hielt er die grossartige Natur der Berge auf seinen Gemälden fest. Rasch verbreitete sich sein Ruhm in Europa. Im Jahre 1894 machte er Bekanntschaft mit den Kunsthändlern Cassirer und König in Berlin, die sein Genie sofort erkannten und ihn auch vertraten. Dass die Wiener Secessionisten in ihm einen Wegbereiter der Moderne sah, trug weiter zu seinem Ansehen bei.

1896 freundete sich Giovanni Segantini mit den Malern Giovanni Giacometti und Cuno Amiet an, die er schon anlässlich der Weltausstellung 1889 kennengelernt hatte. Sie waren von der überwältigenden Farb- und Lichtwirkung des grossen Meisters aufs Höchste beeindruckt.

Immer neue Preise ehrten das Werk des Künstlers. Segantini entwarf nun ein monumentales Projekt: für die Weltausstellung in Paris um die Jahrhundertwende wollte er ein 75 Meter breites und 16 Meter hohes Panorama der Engadiner Bergwelt malen. Wegen der immensen Kosten liess sich dieses Projekt leider nicht finanzieren und konnte nicht realisiert werden.
So wandte er sich etwas anderem zu – der Verwirklichung seines Alpentryptichons „Werden – Sein – Vergehen“. Während Giovanni Segantini auf dem 2731m hohen Schafberg daran arbeitete, weilten seine Frau Bice und Sohn Gottardo in Mailand, weil die Mutter von Bice im Sterben lag. Barbara Uffer und zwei seiner Söhne waren auch bei ihm auf dem Berg, als er plötzlich von Schmerzen gequält wurde. Giovanni malte weiter – ein Blinddarmdurchbruch mit anschliessender Bauchfellentzündung waren die Ursache seiner unerträglichen Schmerzen. Sein befreundeter Arzt Dr. Bernhart stieg sofort auf den Berg, konnte ihm aber auch nicht mehr helfen.
Giovanni Segantini starb am 28. September 1899 im Alter von nur 41 Jahren.