Biographie Heinrich Herzig

Heinrich Herzig (1887 Rheineck 1964)

Der Künstler Heinrich Herzig wurde am 28. Juni 1887 in Rheineck geboren. Bürger war er von Walzenhausen, AR. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Schon in jungen Jahren hegte Heinrich Herzig den Wunsch, Künstler zu werden. Von 1904 bis 1906 folgte zunächst eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule der Stadt St. Gallen zum damals attraktiven Beruf des Stickereizeichners.

Im Alter von 21 Jahren zog es Heinrich Herzig nach München, um dort die die Akademie zu besuchen. In sechs Jahren wurde ihm in der bayrischen Metropole das Handwerk des Malers beigebracht. Zur Vervollkommnung seines Studiums besuchte er zudem Kurse privater Kunstschulen in Berlin und Dresden.

Der junge Künstler kam in Deutschland in Berührung mit der Strömung des Expressionismus. Heinrich Herzig war beeindruckt und wurde für sein späteres Schaffen nachhaltig inspiriert.

Von 1915 bis 1917 arbeitete er in Plauen (Deutschland), war zeitweise als Entwerfer in der Porzellanmanufaktur in Meissen tätig. Es folgten Studienreisen nach Österreich, Deutschland und besonders nach Italien, das seinem offenen Wesen entgegen kam und das ihn zu vielen südländischen Bildthemen anregte.

Nach seiner Studienzeit in Deutschland kehrte Heinrich Herzig in die Schweiz zurück. Obwohl er später noch häufig Reisen unternahm,  entschied er sich doch definitiv dazu, in seinem Geburtsort Rheineck ansässig zu werden.
Die Gemeinde stellte ihm ein eigenes Atelier zur Verfügung. Als Künstler faszinierte ihn die Wiedergabe des dörflichen Alltags in Rheineck und in der Region. Zudem erhielt er so die Möglichkeit, Spaziergänge in die nahe gelegene Natur zu unternehmen, welche ihn immer wieder zu neuen Bildthemen anregten.

Im Jahr 1921 heiratete Heinrich Herzig Ida Bänziger. Das Paar hatte zwei Kinder. Neben den Einkünften aus dem Verkauf von Bildern erteilte Heinrich Herzig auch Zeichenunterricht an der Oberstufe der Schule im Dorf Rheineck.

Heinrich Herzig malte bevorzugt mit Öl- und Wasserfarben. Allerdings hielt ihn das nicht davon ab, sehr viele künstlerische Genres auszuprobieren. Sein breit gefächertes Schaffen zeugt von keinerlei Berührungsängsten mit jeglichen Formen von Kunst und Kreativität, sowie von einer schöpferischen Neugier.

Neben den traditionellen Aquarellen und Ölbildern findet man im Werk des Künstlers auch expressive Holzschnitte und Glasmalereien, diverse Illustrationsarbeiten von Plakaten und Büchern bis hin zu Etiketten, verzierte Keramik, Wandmalereien in öffentlichen Institutionen, gestaltete Urkunden und Glückwunschkarten, Theaterkulissen, Festflaggen, oder sogar Kostüm-Entwürfe. Auch als Karikaturist für die Satirezeitschrift Nebelspalter war der Künstler tätig. 
Heinrich Herzig erzählte in seinen Bildern Geschichten. Er liebte das Anekdotische und bewahrte sich stets seinen Sinn für Humor. Seine Bilder strahlen Wärme aus - mitunter benutze er aber auch eine gedämpfte, dunklere Farbpalette.
Er selbst war bescheiden und verschmähte jede Wichtigtuerei. Eine kleine Anekdote mag das illustrieren: Als die Vereinigung GSMBA eine Mappe mit den Selbstbildnissen ihrer Mitglieder herausgab, da stellten sich die meisten Künstler möglichst grossartig dar, als bedeutende Persönlichkeiten hinter ihrer Staffelei, würdig und als wahre Meister der bildenden Kunst. Herzig aber  übertrumpfte sie alle, indem er einen Holzschnitt einreichte - eine gelungene Karikatur seiner selbst - in einer köstlichen Pose, wie nur er allein sie darstellen konnte.

Sein Werk ist vielfältig. Gemeinsam ist allen seinen Bildern die Lebensfreude, die zum Ausdruck kommt, begleitet von einem unverwechselbaren, subtilen Humor. Expressiv und lebensnah stellt er das Leben im Rheintal dar - verspielt und voller Charme.

Seine Abstammung aus dem Appenzellischen ist wichtig. Dazu meinte Heinrich Herzig: Die Appenzeller seien eben ganz besonders eigenwillige "Setzgrinde", deshalb male er auch einfach wie es ihm passe, ohne sich viel um Theorien zu kümmern. Theorien seien heute sowieso etwas, das viele Künstler wechseln wie das Hemd.

Er war Mitglied der Künstlervereinigung "Der Kreis", der u.a. auch Rudolf Wacker, Conrad Felixmüller, Adolf Dietrich und Hans Purrmann angehörten.

Durch seine einzigartigen Darstellungen kommt ihm eine ganz besondere Stellung im Kunstschaffen der Ostschweiz zu.

Von Heinrich Herzig befinden sich u.a. in folgenden Museen Bilder:

Kunstmuseum St.Gallen, Kunsthaus Zürich, Kunstmuseum Chur, Glarus, Winterthur, Dresden, Konstanz, Städtische Galerie München, Ulm.

Schweizerische Nationale Kunstausstellungen: 1914, 1917, 1919, 1922, 1925, 1928, 1931.

Ausstellungen seiner Werke in folgenden Museen (eine Auswahl):

  •  Kunsthaus Zürich: 1914, 1915, 1919, 1920, 1921, 1923, 1927 Museum Winterthur 1923, 1926, 1933.
  •  Kunstmuseum St. Gallen: 1927, 1952.
  •  Museum Ulm: 1929.
  • Gedenkausstellung Hotel «Hecht», Rheineck, 3. bis 18. Oktober 1959 (Patronat Gemeinde Rheineck).
  • Jubiläumswoche «700 Jahre Stadt Rheineck»: Kunstausstellung im Löwenhof Rheineck, 27. Juni bis 4. Juli 1976.

 Literatur-Auswahl:

  •  Jost Kirchgraber und Richard Butz, Heinrich Herzig. In: Verlorene Moderne in der Ostschweiz. Junge St.Galler Kunst 1920-1940. Ausstellungskatalog von . Propstei, St. Peterzell 2004.
  • Dr. A. Schlatter, Zürich, Der Maler Heinrich Herzig, o.J.
  • Louis Kessely, Heinrich Herzig, Maler. Katalog zur Ausstellung im Oktober 1959 im Hotel Hecht, Rheineck
  • Sabine Greiser: Heinrich Herzig (1887–1964), Rheineck. In: Rheintaler Köpfe. Berneck 2004, S. 222–224.
  • Paul Schmalz, Der kleine Mozart. Der musizierenden Jugend. Jugendliederbuch. Mit ganzseitigen Farbholzschnitten von Heinrich Herzig

Heinrich Herzig starb am 16. August 1964 in seinem geliebten Rheineck.

Die Gemeinde verlieh ihm im Jahre 1959 das Ehrenbürgerrecht, es wurde sogar eine Strasse nach ihm benannt. 

(Nachlass und Urheberrechte: © Hans Widmer, St.Gallen)