Kunstkritik und Betrachtungen

 

Über Kunst, Auktionen und Handel 

Kunst ist ein weites, interessantes und auch ein sehr schönes Thema.  Aber auch ein umstrittenes!
Wie der Titel sagt, steht die Kunst und der Handel bei diesen Betrachtungen im Mittelpunkt.

Es geht um Erfahrungen, um Modetrends in der Kunst und auch um das Thema der faszinierenden Vielfalt dieses Gebietes. 

Und wenn zur Kunst noch der ganze Handel hinzukommt, wird es erst recht spannend!

Allein schon die Frage „Was ist Kunst – was macht sie denn aus?“ führt zu angeregten Diskussionen. Sicher haben Sie sich diese Frage auch schon gestellt.
Sie ist wichtig und stellt sich immer wieder… Ich verzichte jetzt bewusst auf eine Antwort.
Ich möchte mich dieser Frage annähern.

 

Argumente für und gegen Kunstrichtungen prallen bei Diskussionen mit voller Wucht aufeinander, führen gar zu unversöhnlichen Feindschaften. Fast scheint es, als würden die verschiedenen Kunstrichtungen beinahe eine Religionszugehörigkeit darstellen oder allenfalls eine Konfession.
Eine Glaubensfrage also, darum ist sie so heikel. Übrigens ist das oft auch bei den Preisen so, aber davon später.  Ich stelle ein paar dieser Gegensätze bildlich gegenüber. Oft beginnt die Diskussion um dieses Thema harmlos mit einer Frage, etwa „Was halten Sie von diesem Maler?“ In der feinen Mimik des Fragenden erkennt man oft schon die erwartete Antwort: „ Sie werden doch hoffentlich meiner Meinung sein…“

Gleich wie der Künstler heisst - nicht selten schliesst sich auch gleich eine deutliche Aussage an - einem Giftpfeil gleich – in der Art: „Nein, das hat mit wahrer Kunst doch rein gar nichts zu tun“.
Bald folgt aber ein anderer Kunstkenner, der sich einer Gegenpartei zugehörig erklärt. In solchen Fällen helfen diplomatische Fähigkeiten, aber leider nur bis zu einem gewissen Punkt.

„Jedem das Seine“, stand schon auf den alten Appenzeller Kantonsmünzen!
In der Kunst erst recht, und bei Auktionspreisen sowieso. Es ist wahr: Jedem das Seine. 

In so einem Feld voller Fussangeln bewegen sich die Kunsthändler. Auch diese können als Missionare der genannten Glaubensrichtungen im Kunstbereich auftreten. Urteilen Sie frei von Modeströmungen, ungewissen Anlageversprechen - bewundern Sie die Kunst, das Nachhaltige, nicht allein den Preis! Ein bekannter Sammler sagte mir kürzlich, die Kunst von heute sei "marketingverseucht". Ein Kern davon mag wahr sein. Dazu ein Kunst-Zitat von Sibylle Neff (1929 - 2010 Appenzell):
"Wer zu faul ist, macht schnelle Kunst und sammelt Energie für den Vertrieb."

Einerseits ist es die Gegenwart mit ihren Herausforderungen und Problemen, für die die Kunst einen Spiegel hinhält. Andrerseits aber die beschauliche Vergangenheit, von der oft das Beste in unsere Zeit hinüber gerettet wurde. Jedes Zeitalter stellt ein spezielles Gebiet dar, von der Antike über das Mittelalter bis hin zur Gegenwartskunst. Aber eben, in der Gegenwart spielt die Mode oft eine wichtige Rolle. „Lifestyle“, hiess eine der wichtigen Ausstellungen des Kunstmuseums St. Gallen.  Aber wer mag sich schon noch daran genau erinnern was da wirklich war? So rasch geht es, so schnelllebig ist die Zeit. 

Gemälde, Grafik, Meisterzeichnungen, Naive Malerei und art brut, auch Skulpturen sind beliebte Tummelplätze in der Kunst. Diese Teilgebiete der Kunst besitzen oft den Charakter einer Ligazugehörigkeit.
Nur eben, jeder Liebhaber des entsprechenden Gebietes fühlt sich in der obersten Liga!

Wie soll man sich da zurecht finden?

Betrachten Sie Ihre Kunstwerke wie Freunde, die Sie gerne um sich haben. Solche, denen Sie immer wieder gerne begegnen, solche, die Sie vermissen wenn Sie weg sind. Dann liegen Sie mit Sicherheit genau richtig! Das ist im besten Sinne nachhaltig. 

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Ein Künstlerjubiläum im Jahr 2019

100 Jahre:


 Ota Sik (Pilsen 1919 - 2004 St. Gallen)

Am 11. September 1919 wurde Ota Sik in Pilsen geboren.

Mit Freude erinnere ich mich an unsere Begegnungen und Diskussionen in St. Gallen. Er schilderte stets ein Stück Weltgeschichte  -  ebenso spannend war für mich, wie er mir oft versicherte, seine grosse Liebe sei schon seit jungen Jahren die Malerei gewesen.
Freundschaftlich waren unsere Gespräche; mit Staunen und grosser Anerkennung betrachte ich seine Biographie.

Schon in jungen Jahren erkannte Ota Sik seine Leidenschaft für die Malerei und entschloss sich aus diesem Grund 1933 zu einem Kunststudium in Prag. Nur ein Jahr später zwang ihn die politische Situation zu dessen Abbruch. Seine Ausbildung zum Künstler beschränkte sich fortan auf den Besuch von Abendkursen.

Sein politisches Engagement gegen die nationalsozialistische Besatzung seines Landes provozierte Ota Siks Inhaftierung. Von 1940 bis zur Befreiung im Jahr 1945 wurde er im Konzentrationslager Mauthausen gefangen gehalten.
In dieser Zeit reifte seine Überzeugung ob der Wichtigkeit seiner politischen Betätigung. Nach seiner Befreiung wurde er Mitglied der kommunistischen Partei und absolvierte ein Studium der Wirtschaftswissenschaften. Seine politische sowie wissenschaftliche Karriere war lanciert. Als Höhepunkt ist sein Amt als Vizeministerpräsident unter Alex Dubcek in der bewegten Zeit des Prager Frühlings hervorzuheben. Sowie ist - nach seiner Emigration in die Schweiz - seine Ernennung zum Hochschulprofessor an der Universität St. Gallen im Jahr 1970 zu erwähnen, ein Amt welches er 19 Jahre lang ausüben sollte. Im Jahre 1983 erhielt er die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Berühmt ist Ota Sik als der Schöpfer der Wirtschaftsreformen des Prager Frühlings, die auch unter der Bezeichnung "Der dritte Weg" bekannt wurden. 

Im Jahr 1992 kehrte Ota Sik zu seiner eigentlichen Passion, der Malerei zurück. 
Trotz seiner grossen Erfolge politischer und wissenschaftlicher Natur, sah sich Ota Sik selbst primär als Künstler. In fortgeschrittenem Alter widmete er sich der Malerei mit erstaunlicher Vehemenz und voller Experimentierfreude. Ota Sik bevorzugte kräftige Farben und einen expressiven, temperamentvollen Duktus. Einige seiner Werke durchweht eine poetische Note, andere vermitteln Witz und Ironie. Eine eindeutige Bildaussage widerstrebte Ota Sik: ihm war es stets wichtig, den Betrachtern seiner Bilder Raum für eigene Interpretationen zuzugestehen. 

Als sein bedeutendstes Hauptwerk betrachtete Ota Sik sein Gemälde "Der grosse Spinner" mit direktem Bezug auf die Zwänge politischer Gewalt jeder Couleur.

Hans Widmer