Biographie Bö (Carl Böckli)

Carl Böckli  -   "Bö"  (1889 - 1970)

Bö über sich selbst:

"Geboren bin ich schon 1889. Seither zeichne ich. Bald ging ich in die Fremde.

Erst 1919 kehrte ich in die liebe Heimat zurück. Da traf ich den Nebelspalter, wurde ihm vorgestellt und arbeitete erst zaghaft, dann eifrig und heiter mit ihm zusammen. Sein mutiger Verleger machte mich neun Jahre später zum Redaktor und sehr stolz.

Ich gelte trotzdem und gern als bescheiden. Ich freue mich andauernd über meine Gabe, mich über Staubiges, Muffiges, Überhebliches so einfach und wohl verständlich äussern zu können.
Böse bin ich, nach diesseitiger Ansicht, nicht! Ich könnte, wäre es mir oder Ihnen zuträglich, aber sehr wohl ein boshaftes Büchlein über mich selber zeichnen. Das ist ein gutes Zeichen."

 


 

Würdigung:

Fällt der Name "Bö", so huscht ein anerkennendes Lächeln über die Gesichter, Erinnerungen werden wach.
Carl Böckli hat Grosses geleistet. Viele halten ihn für den bedeutendsten Schweizer Karikaturisten des 20. Jahrhunderts. Berühmte Maler wie z.B. Varlin, Alois Carigiet, Otto Baumberger und auch Niklaus Stoecklin schätzten ihn als Zeichner und Redaktor des Nebelspalters, freundeten sich mit ihm an und trugen mit ihren Arbeiten ebenfalls zum grossen Erfolg dieser Zeitschrift bei. 

Aber sein Werk ist auch in anderer Hinsicht einmalig. Seine kritischen Zeichnungen lassen sich nicht in die bekannten Schemen einordnen, sein liebenswerter Blick auf das wesentliche lässt seine Kritik immer glaubhaft erscheinen, fordert zum Mitdenken auf und erreicht bei seinem Publikum ein zustimmendes Nicken. 

Einmalig auch die helvetisch gefärbten Sprachversli zu seinen Bildern, die er meist handschriftlich aufs Blatt geschrieben hatte. Zu kleinen und grossen Weltereignissen aus Politik und kleinen Begebenheiten aus dem täglichen Leben bilden diese Texte mit den Zeichnungen eine unnachahmliche Einheit voller Komik.
So etwa bei einem
Ehepaar am Esstisch zuhause; diese Zeichnung trägt den Titel  "Von der Unsitte, beim Essen zu lesen"  -  da lässt er die Ehefrau des lesenden Gatten, der sich hinter der Zeitung versteckt, fragen: "Alfons schtimmt das, dass du jetz en Schnauz heigisch?"
Natürlich fehlt Azorli nicht auf der Darstellung, sein Hündchen, diesmal diskret unter dem Tisch.

Selbst zu seiner wichtigen Ausstellung im Helmhaus Zürich, die zu Ehren seines 60. Geburtstages durchgeführt wurde, schuf er eine Karikatur. Er zeigt auf dem Blatt einen der im Bild Dargestellten als Besucher und lässt ihn herablassend bemerken "Also söttig Gstalte gits überhaupt nid!". 

Bö lebte immer zurückgezogen in Heiden, er scheute die Öffentlichkeit und wollte seine Ruhe haben.
Ehrungen stand er skeptisch gegenüber, sogar als ihm die
Universität Zürich den Titel eines Ehrendoktors verlieh ("dem Meister der politischen Karikatur, dem humorvollen Poeten, dem mutigen Bekenner und Patrioten in dunkler Zeit")  -  Bö erschien nicht zur Feier, er wollte nicht so sehr im Mittelpunkt stehen. Die Ehrung freute ihn zwar, aber er wollte danach nie als "Herr Doktor" angesprochen werden - das passe nicht zu ihm,  fand er.

Hans Widmer

 


Biographie:

 1889

Am 23. September in St. Gallen geboren. Primar- und Sekundarschule in Zürich-Wiedikon. 

1906-1908

Besuch der Kunstgewebeschule in Zürich. Ausbildung an der Kunstgewerbeabteilung

des Technikums Winterthur.

1909-1919

Wanderjahre – Graphiker in Milano – ab 1909 Angestellter einer graphischen Anstalt in Karlsruhe –  Reklamezeichner in Lissabon – Karlsruhe – ab 1917 Schalterbeamter bei der Deutschen Reichspost 

1920

Rückkehr in die Schweiz als freier Graphiker in St. Gallen. Zeichenlehrer am Institut Schmid auf dem Rosenberg und später, bis 1928, an der Buchdrucker-Fachschule St. Gallen 

1922

Beteiligung am Karikaturen-Wettbewerb des „Nebelspalters“ in Rorschach. Bei diesem Wettbewerb wird ihm der Trostpreis zugesprochen. Von da an arbeitet er regelmässig unter dem Kürzel „Bö“. 

1927

Redaktor des Nebelspalters. Ausstellung im Kunstmuseum St. Gallen. 

1943

Zeichnungen von Bö in der Ausstellung „Die schweizerische politische Karikatur des 19. und 20. Jahrhunderts“, veranstaltet von der Graphischen Sammlung der ETH Zürich. 

1949   - 

Carl Böckli stellt im Zürcher Helmhaus 400 Originalzeichnungen aus und erhält die Ehrengabe der Stadt Stadt Zürich. Ausstellung im Kunstmuseum St. Gallen

1952  -  Bö wird ausschliesslich Bildredaktor des „Nebelspalters“. 

1953  -  Ehrenmitglied des Schweizerischen Zofingervereins. 

1962   -  Rücktritt als Redaktor des „Nebelspalters“. 

1965   -  Ehrenbürger der Gemeinde Waltalingen 

1966

Verleihung des Dr.h.c. der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich. Ehrung zum „Meister der politischen Karikatur, dem humorvollen Poeten, dem mutigen Bekenner und Patrioten in dunkler Zeit“. 

1969

Film des Schweizer Fernsehens „Bö – Portrait eines Karikaturisten“  zum 80. Geburtstag 

1970   -   Am 4. Dezember stirbt Bö bei einem Verkehrsunfall in Heiden.